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Gekachelt von Daniel Burkart

Text des Monats Januar 2014

Autor/in:

Januarwörter: Landebahn, Fahrgast, Exkurs, ausgesondert, effektiv

Gekachelt

Die Landebahn war gekachelt. Das ist das erste, woran ich mich erinnern kann. Zuvor hatte ich geträumt. Gekachelt von Menschen in versetzten Vierergruppen. Weit unten. Ein Fest? Eine Hochzeit? An Hochzeiten werden keine Transparente hochgehalten. Nicht mit Flugzeugen drauf, die mit dicken roten Strichen übersprüht sind. Hier landen? Die Sonne machte einen Schwenker, um erneut zu blenden. Ein strahlender Tag. Diese Landschaft. Dieses satte Grün, wie hingepinselt.
„Haben Sie das gesehen?“ Das waren die ersten Worte, die der Fahrgast neben mir von sich gab. Panik blitzte in seinen Augen. Spricht man bei einem Flugzeug von Fahrgästen?
„Ja, wunderschön“, erwiderte ich und blickte auf die Hügel. Wieso die Ruhe brechen? Ich hatte kein Verlangen nach einem Exkurs über gekachelte Landebahnen.
Wir gewannen wieder an Höhe, mit einem Mal. Ich beobachtete, wie der Rumpf sich durchbog. Der Klapptisch an meinem Vordersitz sprang aus der Verankerung. Ich drückte ihn zurück, in der Nase der Angstschweiss, den mein Nachbar aussonderte.
„Wir steigen! Fliegen wir einen anderen Flughafen an? Wieso werden wir nicht informiert?“
Fest wurde ich in den Sitz gepresst. Ich atmete die Landschaft ein. Wald, soweit man blicken konnte. Eine einsame gekachelte Landebahn. Ein gekringelter Fluss, der sich in der Ferne verlor. Ein Nachbar mit Fragen. Was war die effektivste Antwort?
„Den Fluss“, sagte ich.

Die Sonne wechselt auf die Gegenseite. Eine Lautsprecherdurchsage. Ich höre nicht hin. Mein Nachbar biegt sich nach vorn, als hätte er Bauchschmerzen. Wirft die Hände über den Kopf. Kein Wort.
Diese Landschaft.
Dieses satte Grün, wie hingepinselt.
Der gekringelte Fluss unter uns.
Diese Ruhe.