Schreibwettbewerb: Hafenkran

In dem Schreibwettbewerb rund um den Hafenkran erreichten uns insgesamt 24 Texte: kritische Glossen, Dialoge und Nachbarschaftsbetrachtungen, Lyrisches und Essayistisches, Erinnerungssplitter und Zukunftsprojektionen und sogar Kunst. Einige versetzten sich in die Perspektive des Krans, andere sprachen ihn direkt an. Aus den zahlreichen Einsendungen hat die Jury (bestehend aus Urs Bühler, NZZ, Gesa Schneider und Isabelle Vonlanthen, Literaturhaus Zürich) jene drei Texte ausgesucht, die sie in ihrer Stringenz, literarischen Ausarbeitung und ihrem innovativen Ansatz am meisten überzeugt haben.

Die Texte finden Sie hier zum Nachlesen – wir bedanken uns bei allen Teilnehmern, die uns Ihre Texte eingesandt und an ihrer Meinung zum Kran haben teilnehmen lassen!

 

Oliver Füglister

Tulpen, Kräne, Muscheln; über Schönheit

Alle lieben Rosen oder Tulpen; Antworten, und keine Fragen.

Die Akkumulierung von Antworten führt bei Veranlagung zu einer gewissen Realitätsverankerung zu Reichtum. Dieser aber ist blau eingefärbt, Veilchen- oder Würgeblau.

Ich liebe nur Rosen. Tulpen sind Neophyten, also invasive nicht einheimische Pflanzen, die zuungunsten unserer eigenen gut verankerten oder etablierten Flora vegetieren, Tulpen stammen vom Turban ab, und in einer von Pädophilen und anderen Würsten bevölkerten und gefährdeten Zeit will man doch nicht mit einem sekundären Geschlechtsmerkmal… hausieren gehen?

Rosen und Tulpen sind schön. Nur das Standwasser von Rosen jedoch ist bekömmlich, und Rosen biegen im Welken nicht so verdammt fleischig ihren Stängel. Bekömmlich zum Spülen, vermutlich, ist das Standwasser der Rosen.

Und den Mund muss man sich oft spülen, weil so viel gerüsselt wird. All der Rotz, der darüber in die ungeklärten Gegenwartsfragen gelangt!

Ich denke da zum Beispiel an die Elefantenrüsselmuschel, gemeinhin Panopea abrupta oder Panopea generosa.

Generosität! Generosität ist ein Zustand der Rüsselfreiheit, des Rüsselverlusts, und da das Muschelschönfinden weiter reicht als ein simpler Hafenkran, der für verankerte Schiffe sehr nutzbringend sein kann, obwohl die Schiffe nicht dauerhaft verankert sein dürften, was man von der Schweiz nicht behaupten kann, der eine Verankerung nicht abzusprechen ist, und da das Schönfinden von Kränen so unerklärlich ist wie die Fortpflanzung von Muscheln, wünscht man sich die Heimsuchung Herrlibergs durch das Sinnbild des Rüssels, den Kran, damit es ob der Anbiederung entbiedert, entankert, endlich entjungfert – gelöscht werde.

Zurück zu den Tulpen, dem Kran. Sie heben die Köpfe in den Nacken. Das tun Sie selten. Dafür sollten wir Ihnen gratulieren. In dieser Guckindielufthaltung ist es übrigens schwer, blau anzulaufen… Eine ideale Stellung fürs Gurgeln mit frischem Rosenwasser, meine Damen und Herren!

 

Katrin Furler

Offerte an das Hochbauamt der Stadt Zürich

durch

ASSIMET GmbH, Eichholz

Spezialist für Assimilationsmetamorphosen 

 

Sehr geehrtes Hochbauamt,

als international tätiges und – vor allem in der Schweiz! – erfolgreiches Unternehmen  zur Integration von baulichen Fremdkörpern in ein traditionelles Stadtbild erlauben wir uns, Ihnen ein professionelles Farb- und Sinnkonzept zu unterbreiten, welches den kürzlich am Zürcher Limmatquai gesichteten Fremdkörper nahtlos in das Zürcher Stadtbild integrieren wird. Die folgenden Vorschläge verstehen sich als befristetes Spezialangebot:

  1. Anbringung einer Uhr mit römischen Ziffern am höchsten stadtwärtigen Punkt (Durchmesser 8m, Machart St. Peter)
  2. Installation eines messingfarbenen Glockenspiels (Schweizer Nationalhymne)
  3. Anstrich des Unterbaus sandsteinfarben (Verkleidung in Sandsteinoptik, vgl. Grossmünster, gegen Aufpreis), Anstrich der über Haushöhe aufragenden Teile grünspanfarben (vgl. Kirchturm Fraumünster )
  4. Errichtung einer Tellstatue (10m, vergoldet) auf dem höchsten Punkt
  5. Aufrichtung je einer Schweizer Fahne (ca 3 qm) auf den oberen Abschlüssen der 3 Beine
  6. Bepflanzung der horizontalen Verstrebungen mit Geranien, weiss-rot; Umhüllung der Beine mit weissen Glycinien in roten Terracottatöpfen (Aufpreis)
  7. Gestaltung des Raumes zwischen den Beinen im Stil einer Berghütte (Holzbänke,  rot-weiss-karierte Tischwäsche, Bierausschank, Bratwurstgrill)
  8. Befestigung eines ehrwürdigen Gasthausschildes (Bär, Schwan, Ochse nach Wahl) an der Kette des Auslegers über dem Fluss  (ca 2m, Schmiedeeisen, vergoldet)
  9. Option, sich vor diesem typisch zürcherischen Objekt fotografieren zu lassen,
    Info für chinesische Touristen:港彎
  10. Jahreszeitlich angepasste akustische Kulisse (via Lautsprecher), etwa „Oh, Hafenkran, oh, Hafenkran, wie grün sind deine Beine …“

Pauschalpaket in Schweizer Qualität zum einmaligen Aktionspreis von

500 000. – CHF

Realisierung garantiert innert 24h nach Eingang der Summe.

Gez. Silvio von Pappe

CEO Assimet GmbH

 

Mario Purkathofer

Zürich wird zur Hafenstadt

1.500 Schiffe haben im Vorjahr am Hafen Zürich angelegt. Unternehmer entdecken die Wasserstrasse Limmat wieder. Der Hafen Zürich verzeichnete 2023 einen Containerrekord. Der Hafen will jetzt ausbauen und Land gewinnen.

Das mehrwöchige Hochwasser im vergangenen Frühsommer konnte dem Geschäftsergebnis des Züricher Hafens nichts anhaben. Der Hafen verzeichnete 2023 das beste Ergebnis seit vier Jahren. Der Umsatz von 73 Millionen Franken und damit das Plus von acht Prozent gegenüber dem Vorjahr ist vor allem auf das Containergeschäft zurückzuführen. Am Züricher Hafen wurden im Vorjahr 480.000 Containereinheiten umgeschlagen. Der Schwer- und Schüttgutumschlag ist kräftig gewachsen: Vergleicht man die Zahlen mit dem Vorjahr, ergibt sich ein Zuwachs von 54 Prozent. „Vor allem seltene Erden, der Import von Edelmetallen und Schwergut wie etwa Teile von Windkraftwerken haben zu diesem guten Ergebnis beigetragen“, berichtete Aurelia Fischli, technische Geschäftsführerin des Hafens Zürich an der Pressekonferenz im Literaturhaus Zürich. Insgesamt verwaltete der Hafen im vergangenen Jahr rund acht Millionen Tonnen Güter. „Die Kunden entdecken die Wasserstrasse Limmat wieder“, sagte Fischli. 1.500 Schiffe legten 2023 im Hafen Zürich an.

Damit der Hafen attraktiv bleibt, sind für das kommende Jahr einige Ausbauten und Investitionen geplant: Unter anderem soll die Landgewinnung des Hafens in die zweite Runde gehen. Mit Hilfe von Aufschüttungen soll das Hafenbecken verkleinert und rund 35.000 m2 Fläche dazu gewonnen werden. „So kommen wir zu Land, und zwar deutlich preiswerter, als wir es durch den Kauf von Grundstücken je könnten“, erklärte Felix Kälin, kaufmännischer Geschäftsführer des Hafens Zürich.

Zusätzlich sind die Revitalisierung der Quais bei der Limmatbrücke und die Vergrösserung des Globus-Provisoriums geplant. Das neue Schwergutzentrum soll eine Fläche von 4.000 m2 haben und Güter bis 450 Tonnen umschlagen können. Insgesamt will der Hafen Zürich 2024 35 Millionen Franken in Umbauten und Renovierungen investieren. Dadurch will man vor allem für das Geschäft mit Ost- und Südosteuropa fit bleiben: „Der Hafen Zürich wird immer stärker auch zur Drehscheibe“, betonte Fischli. 5.000 Menschen arbeiten inzwischen im Hafenareal.

 

AUSSER WETTBEWERB: Die prägnantesten Beiträge kommen manchmal ohne viele Worte aus. Diese 100-CHF-Note ist von Peter Johannes Kraska rex auf Anregung von Christian D. Link von Panoptikum Zürich produziert worden. Zu Gunsten des Hafenfests vom 4.-6. Juli ist sie auch käuflich erwerbbar.