Eine Bibliothek für die Damen dieser Herren

Die neue Ausstellung in den Vitrinen im Foyer und Debattierzimmer widmet sich der Bibliothek der Museumsgesellschaft und ihren Leserinnen und Lesern. Die Museumsgesellschaft wurde 1834 als «Vereinigung gebildeter Männer aller Stände» gegründet. Ziel war, «eine umfassende Lese-Anstalt [zu] errichten, und den Genuss geselliger Unterhaltung [zu] gewähren». Mit vierzig gekauften Bänden und einer Schenkung von 265 Bänden wurde zwei Jahre später die Bibliothek ins Leben gerufen.

Nur «ordentliche Mitglieder» – das waren Männer über 20 Jahre aus Zürich oder der unmittelbaren Umgebung – durften anfangs die Bibliothek benutzen. Gemäss dem ersten Reglement aus dem Jahr 1839 war jedes Mitglied zur Buchausleihe berechtigt, aber nicht mehr als zwei Bände auf einmal. Damit die «nöthige Ordnung beobachtet» werden konnte, war es den Mitgliedern auch nicht erlaubt, sich selber am Bücherschrank zu bedienen. «Ausserordentlichen» Mitgliedern – ausserhalb Zürich wohnhafte Männer, von den Rektoraten der ETH und der Universität «gut empfohlene Studierende» und ab den 1870er-Jahren die Ehefrauen ordentlicher Mitglieder – durften die Bibliothek vorerst gar nicht benutzen.

Trotzdem waren ebendiese Gattinnen der Mitglieder schon bevor Frauen 1894 als ordentliche Mitglieder zugelassen wurden, die eifrigsten Leserinnen. Mit der Aufnahme von «Damen» erhoffte sich die Vorsteherschaft eine Steigerung der Ausleihzahlen. Damit nicht genug – ein regelrechter Ansturm wurde erwartet: «Zu dieser Annahme sind wir um so mehr berechtigt, als nach dem neuen Statutenentwurf ‹Personen beiderlei Geschlechtes› in Zukunft ordentliche Mitglieder der Museumsgesellschaft werden können; und gewiss werden viele Damen Zürichs mit Vergnügen von diesem neuen Rechte Gebrauch machen, das ihnen die freie Benutzung einer sehr reichhaltigen Bibliothek moderner und modernster Literatur eröffnet.» (Jahresbericht 1893). Der erhoffte Ansturm blieb jedoch vorerst aus, wie 1898 mit Erstaunen konstatiert wurde: «Auch dem Erstaunen möchten wir Ausdruck verleihen, dass die gebildete Damenwelt Zürichs sich der Vorteile, die das Museum bietet, immer noch in bescheidenem Rahmen bedient. Wir wollen den Leihbibliotheken ihr berechtigtes Dasein nicht erschweren, glauben aber doch gebildeten Frauen reichere Geistesnahrung zur Verfügung stellen zu können als jene Institute.» (Jahresbericht 1898)

Erst 1907, mit der Schaffung der Bibliothek-Mitgliedschaft, die die Ausleihe von Büchern, nicht aber die Benutzung des Lesesaals erlaubte, stieg die Zahl weiblicher Mitglieder bedeutend an. Auch ausserhalb der Kantonsgrenzen stieg nun das Interesse an Büchern der Museumsgesellschaft, und diese wanderten fortan «fast in der ganzen Schweiz herum und wir haben auf diese Art einen beträchtlichen Postverkehr» (Jahresbericht 1918). Der Postversand erreichte in eben diesem Jahr mit 3'899 verschickten Paketen ein heute kaum mehr vorstellbares Ausmass.

Es ist keineswegs so, dass alle Mitglieder auch immer fleissige Bibliotheksbenutzer sind. 1906 benutzte rund die Hälfte der Mitglieder die Bibliothek und davon lieh jedes Mitglied jährlich ca. 66 Bände aus. Heute nutzen rund 30% der Mitglieder mit ca. 17 Bücher jährlich ausgeliehenen Büchern die Bibliothek.

Weiteres zur Bestandesauswahl, zu Katalogen, Hitlisten, Neuheiten und Wartelisten finden Sie in der neuen Ausstellung der Museumsgesellschaft im Foyer im 1. Stock sowie im Debattierzimmer im 3. Stock.